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Studierende der Fachhochschule und Universität #Trier können ab dem 01.04.2024 deutschlandweit kostenlos mit ihrem Semesterticket Bus und Bahn fahren.

Das #Deutschlandticket ersetzt hierbei das zuvor (eher dürftige) Semesterticket, mit dem man lediglich im Raum Trier Bus fahren und die Zugstrecke von Saarbrücken über Trier nach Koblenz kostenfrei nutzen konnte. Das funktionierte über den physischen Studierendenausweis der Trierer Hochschulen im Checkkartenformat.

Seit Einführung des 49€-Tickets konnten Studierende zudem über die App des Trierer #ÖPNV-Unternehmen ein vergünstigtes Deutschlandticket für etwa 23€/Monat kaufen. Das ging als reines Digitalabo über die entsprechende App der VRT, welche ausschließlich ÖPNV-relevante Features beinhaltet (das wird später noch wichtig): Abfahrtszeiten, Verbindungssuche, Bushaltestellen ausfindig machen, usw.

Die Ausweitung des Semesterticket auf das Deutschlandticket ist durchaus ein großer und zu begrüßender Erfolg (allem voran auch als erste Hochschulen in ganz Deutschland!). Der Semesterbeitrag hat sich hierdurch um ca. 20€ auf nun insgesamt etwas über 300€ erhöht, unterm Strich ist das ganze aber dennoch absolut sinnvoll für Studierende in Trier: https://studiwerk.de/cms/semesterticket-1001.html

Die Umsetzung lässt allerdings einiges zu wünschen übrig.

Das bisherige Semesterticket über den Studierendenausweis wird nun gänzlich durch ein reines Digitalabo ersetzt, der Studierendenausweis ist nun also keine Fahrkarte mehr, weder im Zug, noch im Bus. Das hat natürlich technische und logische Gründe und ist bei Studierenden sicherlich auch zielgruppengerecht, eine physische Alternative wäre aber dennoch ganz nett gewesen (von mir aus auch ein Ausdruck mit QR-Code drauf).

Das neue Ticket läuft nicht mehr über die reine Bus- und Bahn-App der VRT, sondern über die "Smart City Super App" [sic!] Portazon der Stadtwerke Trier. Diese enthält zahlreiche weitere Dienste wie beispielsweise digitale Parkausweise, Ladesäulenservices für E-Autos in Trier, ein "digital Marketplace" Trierer Geschäfte, weitere Shopping-related Angebote und nun also auch das Deutschlandticket und ÖPNV-Fahrpläne.

Es gilt natürlich das generelle Problem bei reinen Digitaltickets: Ist das Handy leer oder verloren, muss man leider laufen. Portazon nimmt hierzu Stellung in den FAQs (siehe Bild 1).

Bildbeschreibung 1: Ausschnitt aus den FAQs der Portazon App. Frage: "Was mache ich, wenn ich kein Handy mitführe oder der Akku leer ist?" Antwort: "Dann hast Du keinen gültigen Fahrausweis und riskierst einen erhöhten Fahrpreis, da nur der Nachweis in der App gültig ist. Mit dem Deutschland-Semesterticket verliert auch das regionale Trierer Semesterticket seine Gültigkeit, das bedeutet, der Studiausweis gilt nicht mehr als Fahrschein. Alleine das digitale Ticket hier in der Portazon-App (Android/iOS) ermöglicht die Fahrt im kompletten Nah- und Regionalverkehr zwischen den Alpen und der Nordsee."

Für Studierende in Trier entsteht ein App-Zwang bzgl Portazon. Die App ist ausschließlich über den iOS App Store und Google Playstore verfügbar. Andere Smartphones oder Betriebssysteme werden nicht unterstützt. Zumindest in der Android-Version ihr sind mehrere bekannte Tracking-Bibliotheken verbaut, teilweise mit Werbetracking-Bezug (siehe Bild 2).

Bildbeschreibung 2: Screenshot aus der App "TrackerControl", welches die Auswertung der Portazon App anzeigt. In ihr wurden vier Tracking-Bibliotheken erkannt. Google AdMob, Google CrashLytics, Google Firebase Analytics und Urbanairship.

Doch auch die Usability der App für den Gebrauch als reine Ticket-App ist eher dürftig. Ich nehme hierbei an, dass dies das Hauptfeature der App ist, welches für Studierende relevant ist und sie gerade nicht ihr "Shopping-Erlebnis verbessern", Parkgebühren bezahlen oder ihr E-Auto laden möchten. Es gibt in der App zum aktuellen Stand (24.04.24) keinen Menüpunkt für das ÖPNV-Ticket und auf der sehr dynamischen Oberfläche auch keinen feststehenden Direktlink zum Ticket. Man muss sich also wohl durch mehrere Untermenüs schlängeln, bis man sein Ticket erreicht. Das kann im Alltag, wenn man gerade Richtung Bus rennt, durchaus Probleme erzeugen (siehe anhängendes Video).

portazone_usability.mp4 1.23 MB

(Hier klicken, falls das Video nicht angezeigt wird)

Für die Nutzung der App werden übrigens zwei(!) Accounts benötigt. Einen Portazon-Account für die App selbst und einen Kundschaftsaccount der Stadtwerke Trier für das Ticket (Das Studierendenwerk versendet nun jedes Semester entsprechende Codes per E-Mail zur Aktivierung des Tickets in der App).

Zu guter Letzt hat mich die App  immer wieder willkürlich ausgeloggt. Eine Nutzung der App (inkl. des ÖPNV-Ticket) ist nur nach dem Login-Möglich. Dieser hat in den letzten Tagen teilweise bis zu 30 Sekunden gedauert. Auch hier entsteht natürlich wieder ein Problem: wurde ich mal wieder willkürlich ausgeloggt und komme gerade (z.B. wegen schlechtem Netz oder Serverproblemen) nicht mehr in meinen Account, muss ich wohl auf Kulanz im Bus hoffen oder eben laufen.

Digitalisierung nach dem Prinzip "Kopf durch die Wand".
Cc: @lagedernation @vieuxrenard

Updat zur #Portazon App für das Studiereden #Semesterticket in #Trier:

Heute, 01.04.2024, ist also Start des rein digitalen Semesterticket über die "Smart City Super App" der SWT.

Erwartungsgemäß beginnt der Tag mit einem weiteren logout aus der App. Anders als in den letzten Tagen dauert der Login aber nicht mehr 30 Sekunden sondern über eine Minute!

Inhalte der App (Wetter, Werbeblöcke, einzelne Menüpunkte) laden nicht mehr. Der Vermerk "Serverfehler" ploppt alle paar Sekunden auf. Das bereits vor Tagen registrierte Semesterticket ist nun aus der App verschwunden. Eine erneute Registrierung des Tickets über den Legitimierungscode, den das Studierendenwerk vor gut einer Wochepper E-Mail verschickt hat endet mit der Meldung: "Code ungültig"

Die App ist offensichtlich hoffnungslos überlastet. Es hätte ja auch niemand ahnen können, dass tausende Studierende, die ab heute oder morgen mit dem Bus zur Universität oder zur FH wollen, plötzlich die App nutzen und genügend Serverkapazitäten bereitstehen müssen.